Marc Elsberg
EDEN - Wenn das Sterben beginnt
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»EDEN - Wenn das Sterben beginnt« von Marc Elsberg
Vysyon, ein Computerprogramm, oder besser gesagt, eine KI sagt verheerende Katastrophe auf der Welt voraus. Katastrophen, die keiner hören will, keiner sehen will und schon gar nicht wahr haben will.
Das Plankton stirbt und mit ihm ein Großteil des Lebens in unseren Meeren. Der Ozean kollabiert und die Netze der Fischer bleiben leer. Gleichzeitig versteppen die Böden, der Regenwald trocknet aus. Konventionelle Tierhaltung und Massentierhaltung ist nicht mehr möglich.
Szenarien, die die KI vorhersagt.
Selbst als immer mehr Vorhersagen eintreffen, wissenschaftlich untermauert und bewiesen, wollen die Reichen und Mächtigen weiter machen wie bisher.
Ein paar wenige stemmen sich dagegen. Und ihre Stimmen werden lauter.
Bis sie plötzlich gehört werden!
Das Cover zeigt den Garten Eden. In der Mitte Adam und Eva; beide umringt von friedlichen Tieren, einem blauen Himmel und blühenden Pflanzen. Eine Idylle. Frieden, Wohlstand, Einigkeit.
Doch das Bild wird von einem knall gelben X förmlich zerrissen. Das ehemals besinnliche wird bedroht von Auslöschung.
Ich finde das Coverbild stark und sehr gut zu Titel und Inhalt des Buches gewählt.
Das 2,5°C Ziel ist gekippt.
Die Kornkammer Europas ist von Krieg überzogen.
Öl und Gas kommen spärlicher.
Lebenswichtiger Dünger kommt nicht mehr an.
Transportwege brechen zusammen.
Dem System droht ein Kollaps.
Das Buch von Marc Elsberg? Nein, aber fast! Die genannten Dinge sind Realität. Erschreckende Realität! Und mit diesem Hintergrundwissen. Las sich der Roman des Autors mit einem bitteren, einem ganz bitteren Beigeschmack. Einem Beigeschmack, der schon an Angst grenzte. Bei mir zumindest.
Marc Elsberg schildert eine Welt, in der das Plankton stirbt und damit einen sichtbaren Kreislauf des Grauens startet. Denn die Natur ist miteinander verbunden; jedes Leben zählt und wird eins ausgelöscht, droht auch den restlichen der Untergang.
Mir waren die Folgen bewusst, was Plankton für uns bedeutet, bzw. für das Leben in den Ozeanen, allerdings schildert Marc Elsberg die Folgen dermaßen drastisch, dass ein Weggucken einfach nicht mehr möglich ist! Nicht sein darf! Nein, er ist kein Autor, der mit dem erhobenen Zeigefinger auf seine Leser los geht. Aber doch eindringlich genug, dass ich ans Überlegen kam und die ein oder andere Tatsache im Internet nachlas. Noch ist der Kipppunkt nicht erreicht, der in Eden grausame Realität ist. Noch nicht; aber wir stehen kurz davor.
Diese Eindringlichkeit gelingt Marc Elsberg durch seinen unfassbar schnellen Schreibstil. Kurz, teils sehr kurze Kapitel heizen den Lesestoff gekonnt auf und vermitteln Eile. Die schnellen Sprünge über den Globus und die Charaktere machen das Buch zu einem spannenden Lesehochgenuss. Dabei schildert der Autor nicht nur gekonnt das Sterben auf der Welt und ihre Zerstörung, sondern auch die Alternativen.
Im Mittelpunkt der Geschehnisse stehen ganz unterschiedliche Personen , die alle schnell mein Herz erobert haben! Selbst die Bösewichte fand ich interessant zu lesen, denn auch ihren Ansichten konnte ich folgen und ihre Handlungen nachvollziehen. Leider, muss ich zu meiner Schande gestehen.
Besonders begeistert hat mich an dieser Stelle, wie selbst die Charaktere umdenken und ihr eigenes Handeln in Frage stellen und sogar neue Positionen beziehen können.
Allen voran natürlich Linus. Influencer, lustiger Lebemensch, Draufgänge und Sunnyboy, den man einfach lieben muss. Und doch ist er alles andere als oberflächlich! Der Sunnyboy sieht nicht nur gut aus, sondern beweist auch Verstand, den er mehr und mehr einsetzt. In genau den Dosen, die die Welt gerade braucht.
An seiner Seite die Meeresbiologin Sarah. Sie erforscht das Leben im Meer und hält anfangs von Linus nicht viel. Doch als es ihr gelingt, hinter seine Sunnyboy Fassade zu blicken, bröckelt auch ihre Fassade. Die engstirnige Wissenschaftlerin, die einzig ihren Bereich, das Meer, kennt, blickt plötzlich über den Tellerrand hinaus.
Ebenso ergeht es Piero, dem Erschaffer von Vysyon. Ein geistiges Meisterwerk, hinter dem er sich anfangs versteckt. Doch er muss an die Öffentlichkeit und seine KI verteidigen.
Alle Protagonisten wachsen mit ihren Aufgaben; nehmen sie an und versuchen etwas zu bewegen. Ich finde, dass Marc Elsberg das herausragend gut gelungen ist! Normale Menschen verlassen ihre Wohlfühlzone, um für alle zu kämpfen. Nein, nicht für alle, sondern für ihre Überzeugungen.
Mein Fazit
Eden ist ein erschreckend realistisches Buch, das mir unter die Haut ging. Wenn ich Nachrichten hörte, musste ich mich zwingen, Realität und Fiktion auseinander zu halten. Noch ist das Buch Fiktion...